Im Programm des 18. Internationalen Sommertreffens in Norden war als Überschrift für die ersten drei Tage verzeichnet:
3 Tage Praxisorientierte Hospitation "Arbeiten und Leben auf dem Bauernhof" (Renovierung des Backhauses/ Tierpflege/ Gartenpflege/Kochen – Nationalgericht).
Was mochte sich also hinter diesem Titel an Herausforderungen für die Jugendlichen aus Vernon, Zabkowice, Osnabrück und auch für uns als
Begleiter und Übersetzer verbergen? Welche Rolle fiel mir zu, wenn ich am Montagmorgen zwar nach einem guten Frühstück in der Behrendschen
Villa den französischen Jugendlichen und ihren beiden Begleitern das „Kennenlern und die Einführung in die Arbeitsvorhaben, Arbeitsabläufe
und Arbeitsziele“ zu übersetzen hatte und nicht Wort für Wort sondern die Arbeitskultur und die Mentalität der ostfriesischen Einsatzleiter
auf dem Hof nähe bringen wollte!
So machten wir uns mit diversen Bussen bei einem Regen und mit dicken Wolken behafteten Himmel auf dem Weg in die Landschaft und Ebene der Region.
Jan van Horn und das Einsatzteam vor Ort empfingen uns im Sozialraum des Hofes, auf dem ja junge Menschen aus Norden und der Umgebung berufsbezogene
Praktika und Ausbildung absolvierten, so dass „unsere“ Jugendlichen immer wieder mit diesen zusammen kamen, entweder in den diversen Arbeitsfeldern oder
auch beim Frühstück und Mittagessen. Daraus bildeten sich dann auch Kommunikationschancen, die von dem ein oder anderen Jugendlichen unter zu
Hilfenahme von Englischkenntnissen oder Gestik Anwendung fanden.
Uns Begleitern fiel auf, dass die Jugendlichen selbst wohl auch "unter Spannung" standen, weil sie trotz Vorinformation und Vorbereitung auf das
Sommertreffen in der Heimat nicht so recht wussten, wie ein solcher Arbeits- und „Lebens“tag hier auf dem Bauernhof ablaufen würde.
Jan hatte auf einer Flipchard übersichtlich die Einsatzmöglichkeiten mit inhaltlichen Untergruppen aufgeschrieben, so dass Agnieszka und ich erst
einmal keine Probleme hatten, dem Plenum die Arbeitseinsätze und ihre Ziele zu verdeutlichen. Der Chef des Bauernhofes gab zusätzlich Erläuterungen
ebenso seine Kollegin in der Küche. So wurden die Zeiten mit ihren Pausen erklärt, die Raucher kamen zu ihrem Recht und wir erhielten gegen 9.00 Uhr
ein 2. Frühstück.
Dann wurden alle Jugendlichen aufgefordert sich in eine Einsatzgruppe ein zu tragen.
Dieser Programmpunkt trug dazu bei, dass die Jugendlichen, die
alle einen etwas „betröppelten“ Eindruck machten, den Begleitern ging es ähnlich, so glaube ich jedenfalls, mir auch, sich aus ihrer
Passivität lösen konnten und nun mit uns ins Gespräch kamen, um nähere Erläuterungen zu erhalten.
Dann wählten sie eine Arbeitsgruppe aus und ließen sich Arbeitsbekleidung vom Personal des Bauernhofes geben.
Am ersten Tag handelte es sich oft um ethnisch homogene Gruppen, wenngleich immer mal wieder auch Polen und Franzosen zusammen waren. Der Vorteil im Einsatz
und Ablauf war jener, so habe ich es jedenfalls wahrgenommen, dass vom "Hof-Managment" keine Leistungsnormen vorgegeben waren, es herrschte ein gutes
Arbeitsklima, weil die Chefs d’équippes immer freundlich und hilfsbereit sich auf unsere Jugendlichen eingestellt haben. So war trotz sprachlicher
Schwierigkeiten Kommunikation untereinander möglich und die Jugendlichen hatten genügend Zeit, das Frühstück ein zu nehmen und sich am
vorgegebenen Ort zu den zeitlich begrenzten Raucherpausen zu treffen, was für die meisten sehr bedeutsam war.
So erhielten die Jugendlichen einen Eindruck, was Arbeit und Leben auf einem ostfriesischen Bauernhof bedeuten kann. Es war so organisiert, dass die Teilnehmenden am nächsten Tag ihren Arbeitseinsatz wechseln konnten, was viele wohl auch taten. 2-3 Jungen aus Zabkowice schienen sich an einer "Olympiade" des Holzspaltens zu erfreuen. Wenn es eine festgesetzte Norm gegeben hätte, so hätten sie diese mit Sicherheit erreicht. Andere beteiligten sich an der "Jagd" auf Schafe, die nicht so wollten wie sie sollten. Neben dem Striegeln und Putzen der Esel gelang es aber nur dem einheimischen Tierpfleger die Esel zum Hochheben ihres Fußes zu bewegen, damit die stark stinkenden Hufe gesäubert werden konnten.
Höhepunkt für alle und das waren immerhin über 50 Personen am Dienstag das von den polnischen Jugendlichen und ihren Lehrerinnen hergerichtete
Mittagessen – ein Nationalgericht in Polen und am Mittwoch dasselbe von den französischen Jugendlichen mit starker Unterstützung des Direktor der
Mission Locale, der für 3 Tage nach Norden gekommen war.
Man konnte schon den Eindruck gewinnen, dass es im Großen und Ganzen allen gefallen
hat. Die Einsatzkräfte auf dem Bauernhof waren dann doch froh, nach Ende der Hospitation wieder in ihr normales Arbeitsmass eintreten zu können.
Gerhard Köhler
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